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Vergabe · Planungswettbewerb

Planungswettbewerb nach RPW:Verfahren, Kammer, VgV.

Der Planungswettbewerb nach RPW ist ein geregeltes Auslobungsverfahren, bei dem Planungsbüros anonyme Entwürfe einreichen und ein unabhängiges Preisgericht die besten Arbeiten prämiert. Rechtsgrundlage ist die Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013), oberhalb der EU-Schwellenwerte zusammen mit den §§ 69 bis 72 VgV. Es gibt offene und nichtoffene sowie Realisierungs- und Ideenwettbewerbe. Beim Realisierungswettbewerb verpflichtet sich der Auslober nach § 8 Abs. 2 RPW, einen der Preisträger mit den weiteren Planungsleistungen zu beauftragen.

Kurz beantwortet · Stand September 2026
Modelle und Entwurfspläne mehrerer anonymer Wettbewerbsarbeiten auf einem Tisch vor der Preisgerichtssitzung.
Beim Planungswettbewerb beurteilt ein unabhängiges Preisgericht die anonymen Entwürfe.

01  Verfahrensarten

Planungswettbewerb nach RPW: die Verfahrensarten.

  • Realisierungswettbewerb: Ziel ist die spätere Umsetzung. Der Auslober will die Planung realisieren und bindet sich an einen Preisträger (§ 8 Abs. 2 RPW). Das ist der Regelfall bei Neubau und Umbau im Bestand.
  • Ideenwettbewerb: Sucht Lösungsansätze und Konzepte, etwa für den Städtebau oder eine Machbarkeit. Ohne Auftragsversprechen, die Bindung aus § 8 gilt hier nicht.
  • Offener Wettbewerb: Jedes teilnahmeberechtigte Büro kann eine Arbeit einreichen. Er bietet die größte Lösungsvielfalt und ist ausdrücklich auch für kleine Büros und Berufsanfänger geöffnet (§ 1 Abs. 5 RPW).
  • Nichtoffener Wettbewerb: Ein vorgeschaltetes Bewerbungs- und Auswahlverfahren begrenzt die Teilnehmerzahl. Oberhalb der Schwellenwerte läuft die Auswahl über einen Teilnahmewettbewerb.
  • Zweiphasiges Verfahren: Die erste Phase verlangt einen reduzierten Bearbeitungsaufwand, in der zweiten Phase vertiefen ausgewählte Teilnehmer ihren Entwurf. Das senkt den Aufwand für alle Beteiligten.
  • Kooperatives Verfahren: Teilnehmer und Preisgericht treten in einem Zwischenkolloquium in Dialog. Die Anonymität wird dafür zeitweise aufgehoben.

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02  Ablauf

Von der Auslobung bis zur Beauftragung.

  1. Auslobung erstellen

    Der Auslober formuliert Aufgabe, Beurteilungskriterien, Termine und Wettbewerbssumme (§ 5 und § 7 RPW). Grundlage sind meist die Auslobungsmuster der Kammern.

  2. Kammer einbinden

    Die Architekten- und Ingenieurkammern beraten den Auslober und registrieren RPW-konforme Wettbewerbe (§ 2 Abs. 4 RPW). Die Registrierung gibt Teilnehmern die Sicherheit, dass die Regeln und das Auftragsversprechen eingehalten werden.

  3. Bekanntmachung

    Oberhalb der EU-Schwellenwerte EU-weit über TED und den Bekanntmachungsservice des Bundes, darunter über die nationalen Portale.

  4. Wettbewerb durchführen

    Die Teilnehmer reichen ihre Arbeiten anonym ein (§ 1 Abs. 4 RPW). Rückfragen werden gesammelt und allen gleich beantwortet.

  5. Preisgericht tagt

    Ein unabhängiges Preisgericht bewertet die anonymen Arbeiten und vergibt Preise und Anerkennungen (§ 6 und § 7 RPW). Die Fachpreisrichter sind gegenüber den Sachpreisrichtern in der Mehrzahl (§ 6 RPW). Oberhalb der Schwellenwerte muss zudem mindestens ein Drittel der Preisrichter die gleiche oder gleichwertige Qualifikation wie die Teilnehmer aufweisen (§ 72 VgV).

  6. Auftrag vergeben

    Beim Realisierungswettbewerb beauftragt der Auslober unter Berücksichtigung der Empfehlung des Preisgerichts einen der Preisträger mit den weiteren Leistungen (§ 8 Abs. 2 RPW).

03  RPW und VgV

Verhältnis zur VgV: ober- und unterhalb der Schwelle.

PunktOberhalb EU-SchwellenwertUnterhalb Schwellenwert
RechtsrahmenVgV §§ 69 bis 72 und RPW 2013RPW 2013 freiwillig, teils nach Landesrecht
BekanntmachungEU-weit über TED und oeffentlichevergabe.denational, z. B. Landesvergabeportale
Preisgericht§ 72 VgV: mind. ein Drittel mit gleicher oder gleichwertiger Qualifikation§ 6 RPW, entsprechend
FolgeauftragVerhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb, § 14 Abs. 4 Nr. 8 VgVVerhandlungsvergabe nach UVgO
NachprüfungVergabekammer nach GWB (§ 9 RPW)kein Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer

04  Fragen

Häufige Fragen kurz beantwortet.

Ab welchem Wert muss ein Planungswettbewerb EU-weit ausgeschrieben werden?

Erreicht oder überschreitet der geschätzte Auftragswert den EU-Schwellenwert für Liefer- und Dienstleistungen, gelten die §§ 69 bis 72 VgV und die Bekanntmachung läuft EU-weit über TED. Den aktuellen Schwellenwert und die Berechnung finden Sie im verlinkten Beitrag. Unterhalb bleibt die Anwendung der RPW freiwillig oder folgt dem Landesrecht.

Muss der Gewinner eines Realisierungswettbewerbs beauftragt werden?

Bei einem Realisierungswettbewerb verpflichtet sich der Auslober nach § 8 Abs. 2 RPW, unter Berücksichtigung der Empfehlung des Preisgerichts einen der Preisträger mit den weiteren Planungsleistungen zu beauftragen. Oberhalb der Schwellenwerte geschieht das als Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb nach § 14 Abs. 4 Nr. 8 VgV. Beim reinen Ideenwettbewerb besteht diese Bindung nicht.

Ist die RPW rechtlich verbindlich?

Die RPW 2013 ist eine Richtlinie, kein Gesetz. Für öffentliche Auslober oberhalb der Schwellenwerte konkretisiert sie die §§ 69 bis 72 VgV und wird von Bund und Ländern als verbindlicher Standard angewendet (§ 9 RPW). Unterhalb der Schwellenwerte wenden viele Auftraggeber sie freiwillig oder aufgrund von Landesrecht an.

Quelle: GWB, VgV, UVgO in der geltenden Fassung; Delegierte Verordnungen (EU) 2025/2150–2152 (Schwellenwerte 2026/2027); Bekanntmachungsservice oeffentlichevergabe.de; eigene Auswertung der offenen Bekanntmachungsdaten, August 2026. Stand September 2026. Keine Rechtsberatung, maßgeblich ist der jeweilige Gesetzes- oder Normtext.

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